Free To Play

Wer “Indie Game: The Movie” gesehen hat, was ich jedem wünsche, denn der Film ist unglaublich gut, kann sich eigentlich schon ein bisschen vorstellen was einen hier erwartet. Oder kann er das wirklich? Valve hat noch vor dem Release mächtig die Werbetrommel gerührt und einen fantastischen top-notch Trailer, der ihrem üblichen Niveau entsprach, veröffentlicht, der zumindest mich und sicher auch viele andere heiss auf den ersten Film von dem so viel gepriesenen Entwickler aus Washington machte.

Ich hätte mir ihn sicher auch gekauft, aber die Tatsache, dass „Free To Play“ free to watch ist und einfach auf Steam zum Download zur Verfügung gestellt wurde (auf YouTube kann man den Film auch kostenlos schauen), erleichterte mir das schnellstmögliche Geniessen der Dokumentation.
Aber worum geht es da eigentlich? Das Fragen sich sicher viele Leute, die vorher nicht so viel davon mitbekommen haben und generell nicht so viel mit E-Sports und DotA 2 am Hut haben.

„Free To Play“ erzählt die Geschichte von drei professionellen Dota-Spielern:
Danil „Dendi“ Ishutin ua
Benedict „HyHy“ Lim sg
Clinton „Fear“ Loomis us

Diese Spieler hatten alle einen Traum und waren dazu bereit, alles für diesen zu opfern. Dieser Traum lautete „The International“. Dies war das bislang grösste E-Sports-Turnier aller Zeiten mit einem Gesamtpreisgeld von 1‘600‘000$, eine ganze Million gehörte dem Gewinnerteam. Das war Rekord, noch nie stand so viel auf dem Spiel, es pulverisierte mit dieser Geldsumme alle vorherigen Gewinnschecks, die es je gegeben hatte. Es gehörte zur GamesCom 2011 in Köln und wurde von Valve gebraucht um ihr neues Spiel Dota 2, was auf der alten WarCraft III Mod basierte, zu enthüllen und offerierte diese gigantischen Zahlen sechzehn professionellen Teams, die zu dieser gewaltigen Schlacht gerufen wurden.
Doch der Weg zum Sieg ist ein nicht einfach. Viel steht auf dem Spiel, viel kann man verlieren. Der Erste bekommt eine Million Dollar, der zweite „nur“ noch 250‘000$. Doch für die drei Protagonisten galt sowieso nur der Sieg als Option. Alles andere wäre mit Schmach verbunden und hätte die Unmengen an Zeit, die man als Sportler hier reinsteckt, nicht genug gewürdigt.
Der Film erzählt sehr emotional von den Hürden, die es zu überspringen galt, und zeigt der Welt, dass es halt nicht nur „Zocken“ ist, was diese grossen Persönlichkeiten tun.Doch was ist DotA?
DotA steht für „Defense of the Ancients“ und wird in das Genre der „Multiplayer Online Battle Arenas“ (kurz: MOBA), wozu auch das von DotA inspirierte sehr erfolgreiche „League of Legends“ gehört, oder von den Spielern beliebtere „Action Real-Time Strategy“ (kurz: ARTS) eingeordnet. Es wurde ursprünglich von Hobbyentwicklern als Map für Blizzards RTS „Warcraft III“ und dessen Erweiterung „The Frozen Throne“ entwickelt. Seit 2005 entwickelte eine unter den Pseudonym „Icefrog“ bekannte Person die Mod alleine weiter und er veröffentlichte immer wieder Patches für die als „DotA Allstars“ geläufige Karte.
In „Defense of the Ancients“ geht’s darum, dass sich zwei verschiedene Teams mit je fünf Spielern, welche alle eine einzigartige Figur steuern, mit dem Ziel bekämpfen, das gegnerische Hauptgebäude, „Ancient“ genannt, zu zerstören.
Icefrog machte das Spiel e-sports-freundlich und schnell wurde DotA sehr beliebt und es gab erste regelmässige Turniere. Zudem kündigte er 2009 die Zusammenarbeit mit Valve an und so kam es zu „Dota 2“. Es profitierte von einer neuen Grafik und der Unterstützung eines der renommiertesten Entwickler in der PC-Gaming-Branche.

Dota Wallpaper

Und um diese Sportart geht es. Ich will nicht zu viel zur Handlung des Filmes sagen, ausser, dass man ihn sich ansehen sollte und dass er ziemlich rührend sein kann und mich teils auch zu Tränen brachte…
Was ich mich aber nach der Doku fragte, war: „Für wen ist dieser Film gedacht?“  Für die Profis und die leidenschaftlichen Gamer geht er fast nicht auf die Substanz des Spiels ein und für Leute, die vorher noch nichts von DotA gehört hatten, ist er teils doch zu unverständlich. Die Hauptaussage des Films scheint der steigende Erfolg der Sache und die damit einhergehende Popularität zu sein, welche aber immer noch grösstenteils auf Ablehnung treffen (zumindest in der westlichen Welt), obwohl das nicht mehr wirklich begründet ist. Er teilt die ganze Zeit mit, was für gewaltige Opfer diese drei Persönlichkeiten und eigentlich jeder, der in dieser Branche erfolgreich sein will, darbringen mussten und was für beeindruckende Geschichten hinter diesen Personen, die man nur von ihren Nicknamen kennt, stecken. Dabei muss man sagen, dass die von Dendi, der eine schwierige Kindheit, und diejenige von HyHy, welcher bei seiner Familie auf absolute Ablehnung trifft, exemplarisch dafür sind, wie heute mit der Thematik umgegangen wird.

Der Film mäandert jedoch zu viel zwischen unglaublich gut animierten CGI-Szenen aus dem Spiel, welche nicht sehr viel mit der Geschichte der Charaktere zu tun haben, Turnierfootage und Interviews mit Beteiligten. Mir scheint es, als sei es von Anfang an nicht klar gewesen, ob dies jetzt etwas von Gamern für Gamer werden sollte oder ob es an die nicht so spiel-affine Welt gerichtet werden sollte. Man versuchte einen Kompromiss zu finden, der, nun ja, mässig funktioniert. Da fand ich, schaffte „Indie Game: The Movie“ diesen waghalsigen Spagat um Einiges besser und konnte interssierte Leute wie mich sowie auch Personen, die von dem allen nur Bahnhof verstanden, erreichen. Ob dies auch bei „Free To Play“ der Fall sein wird, kann ich noch nicht sagen. Ich bezweifle es leider ein bisschen. Jemanden wie mich, der mit der ganzen Sache viel anfangen kann und selbst das Gefühl der Aufregung vor einem Spiel in einem Turnier kennt (was ich aber ganz klar niemals mit einer der Situationen im Film vergleichen will. Bei mir stand niemals irgendetwas ausser meiner Samstag-Nachmittage auf dem Spiel), hat er durchaus gut unterhalten und erfreut. Ja, ich freue mich, dass es auch Journalismus über dieses Thema gibt und Dokumentationen, die Einblicke hinter die Kulissen zulassen, sind sowieso immer toll.Doch irgendwie muss ich sagen, dass Valve es auch hier irgendwie schafft, dieses „Valve-Feeling“ reinzubringen. Wahrscheinlich ist es die tolle synthetische Hintergrundmusik und diese makellose auf Hochglanz polierte Präsentation, welche mich an die gewohnte Qualität des Entwicklers erinnern. Noch nie wurde ich von ihnen enttäuscht, (ausser bei der Ankündigung von HL3 *hust*) und das kann ich auch hier nicht sagen. Ich hätte mir einfach noch ein bisschen mehr Tiefgang und weniger Wiederholungen in dieser eine Stunde und 16 Minute langen Dokumentation gewünscht. Aber das ist Kritik auf ganz hohem Niveau und soll niemanden davon abhalten in den Genuss dieses mit dem „GabeN-Charm“ gespickten Filmes zu kommen. Schaut euch „Free To Play“ an, es kostet ja nichts, und unterstützt solche Projekte, damit es in Zukunft mehr davon geben kann. Und schaut „Indie Game: The Movie“, falls ihr es noch nicht getan habt, lohnt sich! Ein Meisterwerk, vielleicht schreib ich ja mal was darüber, wer weiss?😉

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