The Hunger Games: Catching Fire: Besser als das Buch?

iPhoneUploadAm 21. November startete die zweite Verfilmung des unglaublich erfolgreichen Bestsellers von Suzanne Collins in der Deutschschweiz. Den ersten Teil hatte ich ohne Vorkenntnisse gesehen und ihn „mäh“ gefunden. Aber nachdem ich die Bücher endlich gelesen hatte und völlig begeistert von ihnen war, wobei ich fand, dass ihre Qualität mit der Zeit abnahm, war ich umso mehr auf „Catching Fire“ gespannt.

Erwartungen

Ich muss gestehen, ich habe die drei Bücher innerhalb von zwei Tagen gelesen. Selten war ich so stark von Büchern gefesselt und selten habe ich so stark mitgefiebert, wie es hier der Fall war. Doch war ich am Ende enttäuscht: Ohne spoilern zu wollen, muss ich sagen, dass ich Katniss Everdeen mit der Zeit nicht mehr folgen konnte. Ihr Verhalten entsprach für mich nicht mehr dem „Realistischen“. Es passte nicht zu ihrem starken, emanzipierten Charakter, welchen sie im ersten Band an den Tag gelegt hatte. Der erste Film war einfach ein Versuch mit einer sehr gelobten Buchreihe Profit zu machen. Er war mittelmässig und vor allem das Ende schien für jemanden, der die Bücher nicht gelesen hatte, unvollständig. Da ich ihn nicht besonders gut fand, aber durch die Bücher dann trotzdem gespannt war auf die Geschichte, ging ich mit einer grossen Neugierde, aber nicht mit grossen Erwartungen am Freitag ins Lichtspielhaus. Ich wurde teilweise weggeblasen. Aber nur teilweise.

Gefühle und Terror

Was hat jemand, der den ersten Film gesehen hat, für Vorkenntnisse? Nun, genügend. Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (John Hutcherson) gewannen für ihren Distrikt 12 durch einen klugen Streich zusammen die 74. Hungerspiele, indem sie dem Kapitol die Möglichkeit gaben, entweder sie beide tot zu sehen oder beide leben zu lassen. Natürlich gefällt dies Präsident Snow (Donald Sutherland) ganz und gar nicht. Er sieht es als erste Auflehnung gegen das Kapitol und will die dadurch entstandene Rebellion schon im Keim ersticken. Und das entspricht genau dem Buch, so fangen es und der Film etwa an.
Snow besucht Katniss und droht ihr ihre Familie ermorden zu lassen, wenn sie und Peeta auf der Tour der Sieger, welche immer nach den Hungerspielen stattfindet, ihre Liebe zum Kapitol nicht offenkundig zur Schau stellen, da ihr Spiel mit dem „tragischen Pärchen“ zwar nicht vom Kapitol, aber von einigen Distrikten durchschaut worden war. Hierbei wird Snow im Film lange nicht so terrorisierend dargestellt wie im Buch, was man aber verstehen kann, da im Buch sehr viel mit dem Geruchssinn gearbeitet wird… Mehr will ich dazu nicht sagen.11f93744e5dbedbd5891ad028bb0f384

Ich kenne keine Buchverfilmungen, welche besser sind als ihre Vorlage, und das will ich auch hier nicht behaupten. Das Interessante bei Catching Fire ist, dass die Drehbuchautoren hier einen anderen Ansatz der Emotionalität gefunden haben wie Collins. Bei Collins spielt die verzwickte Lage von Katniss Everdeen bezüglich ihrer Gefühle für das männliche Geschlecht eine grosse Rolle. Während sie eigentlich Gefühle, die sie nicht ganz einordnen kann, für ihren langjährigen Freund Gale empfindet, muss sie bei den Spielen zusammen mit Peeta das „tragische Pärchen“ abbilden. Und durch die Strapazen, die sie durchstehen müssen, entstehen hier, wie soll es auch anders sein, ebenfalls gewisse Anziehungen.

Im Film aber wird die psychische Zerstörung von Katniss wegen des Drucks von Präsident Snow und ihrer Verantwortung viel stärker dargestellt als im Buch. Zumindest habe ich das so gesehen. Katniss ist der Hoffnungsschimmer, der Spotttölpel, welcher den verschiedenen Distrikten die Kraft gibt, sich gegen das unterdrückerische Kapitol aufzulehnen. Sie sieht ihre Schuld darin und sie wird von Snow unter Druck gestellt, entweder sie unterbindet diese Rebellion oder ihrer Familie wird Schaden zugefügt; dies wird von Anfang an ganz klar statuiert.mockingjay

Dabei wird der Film geprägt  von Jennifer Lawrences schauspielerischer Leistung. Sie spielt Katniss hervorragend, und meiner Meinung nach viel besser als im ersten Teil. Zu jeder Zeit kann man ihr die Angst, den Druck, die Verzweiflung, die Wut und teils auch die Verwirrung am Gesicht ablesen. Selten habe ich jemanden gesehen, der so gut mit Augen, Augenbrauen und Mund all dies darstellen kann. Man hätte den Tribut nicht besser darstellen können, und das wusste der Regisseur Francis Lawrence („I am Legend“, „Constantine“) auch. Er gab ihr sehr viel Screen-Time und setzt vor allem am Ende genau auf diese Fähigkeiten seiner Namensschwester.
Interessant war, wie Oscargewinner Philip Seymour Hoffman („Capote“, „Mission: Impossible III“) den neuen Obersten Spielemacher Plutarch Heavensbee darstellte. Während er für mich im Buch immer sehr schwammig geschrieben wirkte, hatte er hier im Film eine klare Position, eben als Spielemacher, doch merkte man, dass er irgendetwas im Schilde führte, nur was, war unklar. Und diese Unklarheit, zieht sich durch den ganzen Film und wird auf sehr anschauliche Art und Weise durch Gespräche zwischen ihm und Snow vorgestellt.

Auch wenn das alles in einem futuristischen Nordamerika spielt, muss man sagen wirkt alles trotz der merkwürdigen gesellschaftlichen Entwicklung realistisch. Zum Glück, denn sonst hätte man vom Terror und dem Fokus auf den Sinn der Menschlichkeit abgelenkt und die Entwicklung von Katniss‘ Dilemma um einiges erschwert.

Ausserdem muss man sagen, dass der Regisseur seine Sache hervorragend macht. Er schneidet die Actionszenen zum Glück nicht so unglaublich schnell wie Gary Ross beim ersten Film und lässt den Film insgesamt irgendwie „grösser“ erscheinen. Alles wirkt prächtiger: Das Kapitol, die CGI-Effekte, die Dialoge sind besser geschrieben und so weiter. Sicherlich liegt das teilweise auch an den fast 40 Millionen Dollar mehr Budget, die man dem Erfolg des ersten Teils zu verdanken hatte.

Die Nähe zum Buch

Ich will hier nicht auf Einzelheiten eingehen, doch will ich sagen, dass man bei dieser Verfilmung endlich einen ersten Schritt weg von der „Man-muss-so-nahe-wie-möglich-am-Buch-bleiben-Einstellung“ gemacht hat und Dinge, die im Buch von nicht so grosser Wichtigkeit gewesen waren, weggelassen hat. Doch hier gibt es einen Widerspruch: Wie ich von meinem Kollegen gehört habe, der mit mir im Kino war und die Bücher nicht gelesen hatte, waren ihm manche Dinge unklar. Das hatte ich erwartet. Es schien, als sei der Film für die Leser gemacht worden und als liesse er die „Unbelesenen“ aussen vor. Und das trotz der vielen Auslassungen…
Doch nicht nur das: Leider wurden auch die Schwächen des Buches wie z.B. das Ende übernommen. Das Ende wurde mit einigen Änderungen perfekt umgesetzt, doch liess es den Zuschauer genauso wie das Buch den Leser mit einiger Unbefriedigung im Saal zurück.
Und trotz alledem, kommt der Film auf eine Spielzeit von 146 Minuten, und diese sind perfekt ausgenützt. Nie wird einem langweilig, nie wartet man darauf, dass etwas passiert. Man folgt dem Plot und ist gespannt was passiert.
Doch dies nimmt in der zweiten Hälfte für jemanden wie mich, jemanden der das Buch gelesen hat, ab. Ich war enttäuscht von der Arena. Im Buch ist sie so gut geschildert, dass man niemals selbst dort sein wollen würde, und vor allem besitzt sie im Buch „Grösse“, an dieser fehlt es im Film, sie wirkt sehr klein und irgendwie unvollständig. Das Rätsel hinter der Arena wird zu schnell gelüftet und man gibt ihr keine Zeit, sich so zu entwickeln, dass man den Terror und die Grausamkeit, mit welchen man die Tribute brechen will, richtig darstellen kann. Und das soll doch der Höhepunkt sein?! Der Twist wird zu schnell abgeklappert und man versteht nicht recht was passiert.

Fazit

Der Film wechselt also von einer hervorragenden ersten Hälfte, zu einer ziemlich durchwachsenen zweiten Hälfte mit einem genauso wie im Buch unbefriedigenden Ende. Das geht besser. Und wenn man sich den Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger ansieht, dann ist man hoffentlich genauso wie ich auf das Sequel gespannt, wobei das ja auf zwei Teile getrennt wurde. Hoffentlich geschieht hier nicht das gleiche wie bei Harry Potter…

Alles in Allem war „The Hunger Games: Catching Fire“ eine tolle überraschemde Erfahrung für mich, da ich nicht dachte, dass man ein solches Buch so gut umsetzen konnte und ich freue mich ganz klar auf den Nachfolger und bin gespannt wie Jennifer Lawrence das Finale meistern wird.

IMDb-Score: 8.2
Metacritic: 75

2 Gedanken zu “The Hunger Games: Catching Fire: Besser als das Buch?

  1. Mhmmm. Habe vor, mir den Film morgen im Kino anzuschauen. Jedoch ohne die Buchvorlage zu kennen. Meine Erwartungen hast du jetzt erstmal runtergeschraubt – was ja eigentlich gut ist. So komme ich sicher mit einem guten Gefühl aus dem Kino (-;

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