Games oder Filme: Entscheidungen!

Wieso spiele ich?

Diese Frage beschäftigt mich schon seit langem. Während ich oft dachte, es liege einfach an der Schönheit mancher Spiele, bei welcher man sehe, wie viel Mühe sich die Entwickler gegeben haben, oder an dem Spass, welchen man durch die Spielprinzipen hat, musste ich oft leider auch feststellen, dass dies bei einem Grossteil nicht der Fall ist. Viele Produkte leiden am Franchising ihrer Publisher und sind wirklich einfach nur Schrottspiele, welche den Kunden das Geld aus der Tasche ziehen. Nichtsdestotrotz spiele ich gerne und Geheimtipps wie“ Journey“ oder „To The Moon“ können bei mir immer wieder Lächeln und Gänsehaut hervorrufen.

Journey: Sehr atmosphärisch!
Journey: Sehr atmosphärisch!

Die positiven Beispiele und Aspekte überragen hier einfach die negativen…dachte ich! Bis ich „The Walking Dead“ spielte… Dieses zeigte mir, dass mehr dahinter steckt!

Immersionimmersion

Dieses Wort hört man oft im Zusammenhang mit Games; man sei mitten im Geschehen, man tauche in die Welt ein, man entscheide selbst… Dies seien die Gründe, wieso viele Jugendliche lieber „zocken“ statt zu lesen oder Filme zu schauen, und auch wieso Leute süchtig nach Spielen werden oder hast du jemals von jemandem gehört, der „filmesüchtig“ ist? Ich glaube nicht… Nur, ist dies etwas Schlechtes? Wieso sollte man diese Fähigkeit der Videospiele schlechtreden, wenn dabei Meisterwerke wie „The Walking Dead“ entstehen? „Immersion in Spielen“ will ich anhand eben jenes Spieles erklären

Das Spiel

Ich will hier eigentlich nicht über dieses Meisterwerk an sich sprechen, sondern über dessen Auswirkungen, aber um meine Gedanken verstehen zu können, muss man ein bisschen etwas über das Spiel wissen.
Bei „The Walking Dead“ handelt es sich um ein Point-and-Click-Adventure, welches sich vom Plot her an der gleichnamigen Serie und dem Ursprungscomic orientiert. Telltale Games hat aber eine eigene Geschichte dazu erfunden und hat lediglich ein paar der Charaktere und Schauplätze übernommen.

Bei „The Walking Dead“ schlüpft man in die Rolle des afroamerikanischen Dozenten für Geschichte Lee. Er wird gerade in einem Polizeiauto ins Gefängnis gefahren, als eine Seuche ausbricht, welche die ganze Menschheit betreffen wird. Menschen, die von bereits Infizierten gebissen werden oder einfach so sterben, werden Zombies oder wie sie hier genannt werden Walker, daher auch der Name. Er erleidet einen Unfall und der Polizist, der das Auto gefahren hatte, stirbt dabei. Lee muss sich also jetzt allein gegen diese wandelnden Toten stellen, nun ja, nicht ganz allein. Auf der Flucht findet er Clementine, ein achtjähriges Mädchen, welches in einer ähnlichen Situation steckt. Sie beschliessen sich zu verbünden und Hilfe zu suchen, dabei treffen die beiden weitere Leute, alle mit dem gleichen Ziel: Überleben!

Zwickmühle

Das ist eigentlich ja noch kein Indiz dafür, dass das Spiel gut ist, aber etwas, was alle Überlebensgenres, sei es in Filmen, Büchern oder eben Videospielen, gemeinsam haben, wird hier besser umgesetzt als je zuvor. Die grösste Gefahr in so einer Situation sind nicht die gähnend langsamen Zombies, sondern die Menschen, mit welchen man konfrontiert wird. In jedem Zombiefilm ist dies der Fall, bei LOST, was nichts mit Untoten zu tun hat, genauso. Natürlich gibt es nichts Spannenderes als die ständigen Streitereien und die verschiedenen Meinungen der Involvierten usw., aber man ist beim Buch oder Film stets an den Stift des Drehbuchautors gebunden. Was er beschliesst, das ist Fakt, daran gibt’s nichts zu rütteln.

Bei diesem Spiel hier jedoch ist dies nicht so. Fast minütlich werde ich gezwungen Entscheidungen zu treffen, welche den weiteren Spielverlauf verändern werden; auf dies werde ich auch stets am Anfang der Episode aufmerksam gemacht. Manchmal sind sie sehr banal, ob ich jetzt Mist oder Scheisse sage, manchmal fatal.

Wem stimmt man zu? Welche Partei ergreift man?
Wem stimmt man zu? Welche Partei ergreift man?

Oft muss ich eine Person wählen, der ich zur Hilfe kommen will, dies heisst aber nicht, dass sie überlebt, sie kann dabei oder auch später trotzdem sterben, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Hiermit zeigt mir der Entwickler stets, dass ich nur seine Marionette bin und lediglich ein bisschen an den Fäden zupfen kann. Natürlich fühlt man sich, wenn das Spiel nicht das tut, was man erwartet, „verarscht“, aber dabei entstehen weitere Gefühle: Spannung, Verzweiflung, Ratlosigkeit, Trauer, Wut. Welcher Film kann diese Gefühle erzeugen? Das Spiel hält mich am Ball, ich will wissen wie es weitergeht, auch wenn es mich als Spieler immer mehr beansprucht und belastet.
Es gibt nicht nur die Wahl zwischen Leben und Tod, oft muss man sich selbst Gedanken über Moral und Ethik machen, die man sonst nie machen würde, und man fühlt sich auch ausserhalb des Spieles verunsichert und gefragt, sodass das Game eigentlich aus seiner Fassade ausbricht und mich auch im echten Leben trifft. Würde ich von einem Fremden stehlen, um selber zu überleben, auch wenn ich weiss, dass er danach vielleicht stirbt? Wenn ich eine Gruppe führen muss, wem würde ich unsere spärlichen Vorräte anvertrauen, wer bekommt heute etwas zu essen, wer nicht? Lass ich ihn leben, erlöse ich ihn von seinem Leid, stelle ich mich auf seine oder ihre Seite? Man wird hier die ganze Zeit mit Fragen konfrontiert, für welche es keine „richtige“ Antwort gibt. Oft hat man auch keine Zeit sich lange den Kopf darüber zu zerbrechen, sodass man schnell etwas wählt, etwas was man später vielleicht bereut. Und es ist hierbei nicht so wie in den Kinderbüchern, wo man einfach wieder zurückblättern kann, wenn einem die Konsequenzen nicht gefallen, das Spiel geht weiter, egal was, und man muss mit seinen Fehlern und Entscheidungen umgehen lernen. Und damit man sich noch mehr verunsichert fühlt, zeigt der Entwickler einem am Ende jeder Episode, wie sich andere Spieler entschieden hatten; gehört man dabei zur Mehrheit, fühlt man sich besser, da man seine Gedanken mit jemandem teilt. Ist dem nicht so, ist man sich nicht mehr so sicher, ob man immer das Rechte getan hat, und ist deshalb noch verunsicherter.The-Walking-Dead-decisions-choices
Dies ist spannend, fordernd und lässt einen mitfühlen, sodass mich „The Walking Dead“ zwölf Stunden an den Bildschirm gefesselt hat und ich es fast nicht erwarten konnte, weiterzuspielen, weiter ein gutes Vorbild für die kleine Clementine zu sein, welche man mit der Zeit sehr ins Herz schliesst, aber deren Schicksal man trotzdem niemals teilen will. Die moralischen Fragen trafen oft ins Schwarze und beschäftigten mich auch noch Tage danach. Der Entwickler versteht sich gut darauf mit seinem Zeigefinger genau dort herumzustochern, wo es einem wehtut.

Ja, „The Walking Dead“ ist ein Meisterwerk, aber es wäre zu wenig, um die Immersion zu begründen, welche Spiele hervorrufen können, Filme können einen ja auch beschäftigen, das will ich nicht abstreiten. Oben genanntes ist nämlich nicht das einzige, es ist wahrscheinlich das Beste und Krasseste seiner Art, aber David Cages Spiele wie

„Fahrenheit“, „Heavy Rain“ und „Beyond: Two Souls“ haben da ähnliche Ansätze.

Emotionen: Dies betrifft alle spielbaren Charaktere in Heavy Rain!
Emotionen: Dies betrifft alle spielbaren Charaktere in Heavy Rain!

Das Ziel jener ist, den Spielenden möglichst stark emotional mitzunehmen. Die Charaktere sind so geschrieben, dass sie Mitleid erregen, dass man sich gut in sie hineinversetzen kann, oft sehr stereotypisch und sympathisch. Moralische Fragen kommen hier nicht so oft vor, aber seelisch mitreissend sind sie durchaus.

Immersion ≠ Immersion

Spiele können dies natürlich auch anders, wie z.B. atmosphärische Spiele “ Journey“ oder Grafikschauwerke wie Battlefield 4 zeigen. Aber diese Art von Hineintauchen in ein Spiel, durch reine Handlung, dies ist für mich in diesem Ausmass etwas komplett Neues. Ich bin gespannt wie das nächste Spiel von Telltale, The Wolf Among Us“, wird und ob andere Entwickler auf diese Art des Erzählens aufspringen. Denn das ist etwas auf das ich lange gewartet habe, endlich keine dummen stereotypischen „Bad Guys“ mehr, keine Explosionen an jeder Ecke, wo dann die Geschichte völlig im Hintergrund steht und keine Spiele, welche nach dem Beenden aus den Gedanken verschwinden.

Deine Entscheidung!
Deine Entscheidung!

12 Gedanken zu “Games oder Filme: Entscheidungen!

    1. Danke, bist der erste Kommentar zu meinem erst zweiten richtigen Post^^ Ich habe ihn als Afroamerikaner beschrieben, weil er dies auch ist und die Figuren im Spiel auch Vorurteile mit dem verbinden. Ich bin kein Rassist😉

      (sollte ich mehr Tags haben? >.<)

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      1. Ich habe das LP dazu gesehen und bezweifle, dass Rassismus das Hauptthema in diesem Spiel ist. Es geht eher um situationelles Misstrauen, würde ich sagen. Du bist an der stelle auch kein einziges Mal auf die Ethnien der anderen eingegangen. Von daher ist mir noch nicht klar, inwieweit es wichtig ist. Vielleicht mache ich hier auch nur ein Fass auf..?

        (noch mehr Tags und dein eigentlicher Post wirkt um einiges kürzer! Na ja, ist jedem selbst überlassen, aber es sieht schon nach sehr vielen Einträgen aus.)

        Na dann viel Spaß beim Bloggen!

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      2. Ist es nicht. Ich wollte einfach Lee beschreiben und keine weitere Nuance hinzufügen, fertig, mehr habe ich mir dabei nicht gedacht… Das sollte auch nicht der Kernpunkt des Posts sein.
        Das mit dem Taggen ist für mich noch neu, was sind so die wenigen, aber markanten, die ich haben sollte?

        Danke🙂

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      3. Unter deinen Statistiken findest du Links mit Tipps zu WP. Unter anderem zum Taggen ( http://en.support.wordpress.com/posts/tags/ ). Ich kenne Blogs mit rund 100 verwendeten Tags, bei denen man schnell die Lust verliert, jeden Futzel anzugucken. Vielleicht sind Tags, die in 3-5 Artikeln auftauchen die leichteste Variante. Inhaltlich musst natürlich du entscheiden, was wichtig ist. Später kann man es ja wieder ändern.

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  1. Toller Artikel. Ich muss gestehen, bis heute die Reihe von Telltale nicht gespielt zu haben. Besitze aber alle Teile – außer dem DLC – weil ich sie mal im Sale gekauft habe. Hole ich bei Gelegenheit nach.

    Ich persönlich verbringe ja gern so viel Zeit mit spielen, weil ich da der Regisseur bin. Natürlich hat alles seine Grenzen. Aber ich kann bestimmen, wohin ich gehe, welche Quest ich als nächstes angehe, je nach Spiel auch wie. Spiele ich offensiv und stürme vor, oder flitze ich von Deckung zu Deckung? So linear ein Spiel auch sein mag, man kann doch seinen eigenen Weg finden, es zu bewältigen, probieren, sein Ding machen. Für mich eine tolle Freizeitbeschäftigung.

    Filme sehe ich nur selten. Finde die letzten Jahre gab es wenige Filme, die mich angesprochen haben. Wenn dann auch nur werbefreie DVD’s. Was ich hingegen sehr liebe sind Bücher. Ich lege Wert darauf täglich zu lesen. Bücher fesseln mich ebenso sehr wie Spiele. Was natürlich nicht bedeutet, dass mich Filme nicht fesseln.

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    1. Danke, 400 Days muss ich auch noch spielen. Filme zuhause sehe ich eigentlich auch nicht mehr so viel, wenn ich unbedingt einen sehen will, dann gehe ich ins Kino, weil ich finde, dass das nochmal ein anderes Erlebnis vermittelt, viel besser als man es zuhause je könnte. Zuletzt fiel mir dies bei Gravity auf (hab ich auch was dazu geschrieben :P), und diesen würde ich zuhause, ohne 3D und ohne fette Soundanlage nicht unbedingt schauen wollen…
      Aber ja, Filme können auch fesseln, nur fällt dies Spielen viel viel leichter.

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  2. Bei TWD und den Spielen von David Cage finde ich Story/Erzählweise auch sehr lobenswert, aber dafür machen sie wiederum in Sachen Interaktion etwas zu wenig. Anspruchsvolles Gameplay und tiefgründige Geschichten miteinander zu kombinieren ist eben leider nicht gerade leicht, aber das Medium ist noch immer jung und das wird sich in Zukunft auch noch verbessern.

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