Ein grosser Schritt zur Akzeptanz!

Als ich heute morgen auf mein Handy sah, wurde ich überrascht. Ein Freund von mir hatte mir den Link zu folgendem Artikel auf der Online-Plattform der grössten Schweizer Zeitung geschickt : “Ich verdiene 800’000 Euro mit Gamen” Diesen Satz sagte Carlos “ocelote” Rodríguez Santiago, ein aus Madrid stammender 23 Jahre junger Mann, welcher sich zuerst in der E-Sports-Szene von World of Warcraft und danach als Team-Captain von “SK Gaming” im Free-to-Play-MOBA “League of Legends”, in einem Interview mit der spanischen Zeitung “ABC“.

Diesen Mann kannte ich schon ziemlich gut; ich verfolgte ihn schon seit Beginn meiner eigenen Spielerfahrung mit eben jenem Spiel, und mir war klar, dass er so viel verdiente, denn auch wenn er nicht der beste Spieler ist, er versteht sich zu vermarkten: Mit seiner eigenen Marke “oceloteWorld” machte er sich einen so grossen Namen als Spieler und als Person des öffentlichen Lebens, dass er ein eigenes Merchandising, als erster und bis jetzt glaube ich auch einziger professioneller LoL-Spieler ein Privat-Sponsoring und zu diesem Zeitpunkt 371’000 Facebook-Fans hat. Dieses Interview sah ich schon einige Tage vorher in einem Thread auf Reddit, aber die Tatsache, dass dies jetzt in einer grossen Gratis-Zeitung angesprochen wird, bedeutet für mich etwas weit Grösseres als nur, dass “ocelote” über viel Geld verfügt…

Fehlendes Verständnis

E-Sports ist spätestens jetzt mit “League of Legends” eine grosse Nummer geworden. Millionen von Leuten verfolgten live die Weltmeisterschaften dieses Jahr in Los Angeles, bei welchem es um ein Preisgeld von sage und schreibe 2 Millionen Dollar ging.league-of-legends-finals-most-watched-esports-event-of-all-time_--gel_1 Professionell produzierte Shows und Interviews gingen dem Riesenevent voraus und sorgten dafür, dass es zu einem Spektakel wurde. Trotzdem geht es mir nicht um das Event an sich.
Viele Leute würden immer noch sagen, dass das nur irgendwelche “Freaks” seien, welche ihre Zeit gefälligst lieber mit etwas Besserem verbrächten. Teilt man ihnen mit, dass es durchaus Leute gibt, die damit ihr Geld verdienen und es vollzeitberuflich betreiben, würden sie einem den Vogel zeigen. Wieso ist das so?

Falsche Informationen

In der westlichen Welt ist eben oben genannte Tatsache, vom “Gamen” leben zu können, noch nicht richtig angekommen. In Südkorea gehört dies jedoch schon lange zum Alltag. Es gibt sogar Fernsehsender, welche den ganzen Tag nichts Anderes als E-Sports ausstrahlen. Die südkoreanischen Spieler werden auf der Strasse von Fans angesprochen und als richtige Promis gefeiert. Hier in der Schweiz? Unvorstellbar!
Hierzulande ist man “konservativer”, viele denken, man solle sein Geld lieber auf eine “anständige” Weise verdienen, doch was ist daran unanständig?

Die Menschen hier müssten nur mal aufgeklärt werden und begreifen, dass es nicht nur “Ballerspiele” gibt, wie sich fälschlicherweise von den Medien betitelt werden, sondern dass es durchaus, nein, vor allem (!), auch um taktische Aspekte geht:
Es geht darum schneller, klüger, voraussehender und koordinierter zu sein als sein Gegner, ob jetzt mit Mitspielern oder nicht. Man ist in den Spielen auf sein Team angewiesen, alleine reisst man nichts. Teamwork ist das A und O in z.B. League of Legends und ob ich jetzt versuche im Schach die Pläne des Gegenübers zu durchkreuzen oder dabei auf den Bildschirm schaue und mich mit meinen “Mates” abspreche, um eben jenem Kontrahenten einen Schritt voraus zu sein, spielt dabei keine Rolle.
Aber ich will nichts alles diffamieren, es gibt durchaus Licht am Ende des Tunnels!

“Rehabilitation”

Der Fakt, dass die US-amerikanische Regierung professionellen Spielern Visa genehmigte, damit diese ihrem Beruf nachgehen konnten, ist eindrücklich. Man hat anscheinend festgestellt, dass mehr als nur grosse “production values” dahinterstecken und auch Videospiele an sich zu einer riesigen Industrie, heutzutage viel grösser als diejenige der Filme (“GTA V” konnte an seinem ersten Verkaufstag eine Milliarde Dollar einspielen, Cameron’s “Avatar: Aufbruch nach Pandora” schaffte dies erst nach 17 Tagen), geworden sind.

Dass dieser Artikel über “ocelote” nun auch in der auflagenstärksten Zeitung der Schweiz, ein Land deren Bevölkerung ich durchaus als “Neuem nicht sehr zugeneigt” zu beschreiben wage, erwähnt wird, kann man doch als kleinen Erfolg verbuchen. Vielleicht wird man irgendwann ausserhalb einer Gratis-Zeitung davon lesen, vielleicht werden die Leute offener, vielleicht nimmt das Alles jetzt auch nur so grosse Ausmasse an, dass man dem nicht mehr aus dem Weg gehen kann… Ganz genau kann ich es nicht sagen.

Trotzdem: Es ist endlich ein Schritt weg von der Ignoranz Richtung Akzeptanz! Ich als Spieler bin gespannt darauf, wie wir in zehn Jahren auf dies hier zurückblicken werden.

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4 Gedanken zu „Ein grosser Schritt zur Akzeptanz!

  1. Vor gefühlt 100 Jahren, als es noch NBC Giga gab und die stundenlang “Warcraft”-Partien im Fernsehen(!) gezeigt haben, hab ich schon gebannt zugeschaut. Ich denke aber, es wird noch eine ganze Generation dauern, bis jüngere Entscheider das Potential von Games im TV erkennen und auch mal eine LOL-WM live im deutschen Fernsehen läuft. Wenn nicht bis dahin das Fernsehen komplett von YouTube verdrängt wurde.

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    • Mir geht es genau so. Damals liebte ich noch GIGA im Fernsehen zu schauen und es war für mich immer etwas sehr Spezielles am Nachmittag die Glotze anzuschalten und zuzusehen wie sich da die Leute verprügelten, obwohl ich nicht die geringste Ahnung von WoW hatte. Aber ich muss sagen, das neue GIGA gefällt mir auch sehr gut und ich bin eigentlich fast täglich auf ihrer Seite unterwegs.

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      • Ich mag das neue Giga eigentlich auch ganz gern, habe mich bislang aber eher auf ihre YouTube-Videos beschränkt. Da aber David vor Kurzem gegangen ist und ich vor allem die Dynamik im Games-Team so sehr mochte, habe ich den Kanal in letzter Zeit etwas gemieden.

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  2. Ich finde, in den letzten Jahren hat sich hier schon viel bewegt. Ich spiele ja nun schon beinahe 2 Jahrzehnte lang und erinnere mich noch an die Anfänge zurück. Damals war Gaming generell sehr exotisch. Ich kannte kaum Leute, die Konsolen und Co. hatten, PC´s waren noch lange nicht selbstverständlich.

    Gerade als Mädchen wurde ich damals oft belächelt, weil ich mich mit diesem “Männerkram” der auch nur was für Exoten ist befasst habe. Von vielen Seiten kam überhaupt kein Verständniss für Spiele.

    Heute sieht es da schon ganz anders aus. Während damals kaum jemand Videospiele gespielt hat, ist Gaming heute viel verbreiteter. Habe sogar Onkel und Tante die zocken, mein Vater hat sich jünst ´nen Tablet für Spiele gekauft und in meiner GW2 Gilde ist ein Ehepaar, welches sich mit dem Spiel die Rente angenehmer gestaltet. Irgendwo soll die Zeit hin, in GW2 fließt sie nun aktuell.

    Natürlich wird Gaming nach wie vor oft kritisch betrachtet, viele Menschen verbinden damit nicht mehr als Killerspiele. Aber es hat sich schon unglaublich viel getan. Als Frau muss ich mich zwar auch im Jahr 2013 mitunter noch schief belächeln lassen, wenn ich sage ich verbringe meine Freizeit gern mit Games, aber diese Reaktion ist viel seltener geworden als früher. Meist heißt es nur “Cool.” “Zockst du auch sowas wie Shooter, oder nur Mädchenkram?” “Geil, ich wünschte meine Freundin wäre auch so drauf”. ;)

    In diesem Sinne: schönen Donnerstag euch allen.

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